Bye-bye, Komfortzone

30.09.2021



Dieses Interview ist erschienen im Ergon Magazin SMART insights 2021. Magazin kostenlos bestellen ->


Marco Bazzani ist Chief Information Officer und GL-Mitglied bei Swisscard AECS, einem führenden Karten-Unternehmen der Schweiz. Mit einem harten Kurswechsel im späten Stadium seiner Karriere personifiziert er den Begriff «Change Management» wie kein anderer. Er verliess seine Komfortzone und übt sich nun im täglichen Seiltanz zwischen IT und Business, ja Technologie und Menschlichkeit. Und das mit Erfolg.

Herr Bazzani, was ist Ihr Aufgabenbereich?

Ich leite unseren IT-Bereich mit über 120 Mitarbeiter:innen. Das reicht von Unterhalt der IT-Infrastruktur über Relationship Management mit externen Partnern bis hin zu Controlling und Contracting, Business Innovation und Change Management. Und last, but not least: IT Security – die an Wichtigkeit zugenommen hat.

Sie waren lange in der Bankenbranche. Woher stammt die Leidenschaft für IT?

Während meiner 24 Jahre im Private Banking bei der Credit Suisse habe ich zig Projekte an der Schnittstelle von Business und IT geleitet. Auch war ich COO ad interim des International Wealth Management und führte die globale IT mit über 1000 Mitarbeiter:innen. Im Banking und in der Kartenindustrie ist IT der Enabler für die Digitalisierung des Geschäftes – sei es aus Effizienzgründen oder um das Kund:innenerlebnis zu verbessern und um die Komplexität des Business überhaupt meistern zu können. Mich hat es immer gereizt, in der Zusammenarbeit mit der IT diese Entwicklung zu begleiten.

Was gab den Ausschlag zum Jobwechsel mit 53 Jahren?

Eines Tages sinnierte ich auf dem Arbeitsweg über meine lange, erfolgreiche Karriere. Ich sehnte mich nach einer neuen Herausforderung und wusste: Ich muss schnell handeln, um mich in einem neuen Bereich einzuarbeiten und noch vor 60 etwas zu prägen. Das habe ich offen mit meinen Vorgesetzten besprochen, dann mein Netzwerk aktiviert und so den Stein ins Rollen gebracht.

Wie fühlte sich dieser Schritt an?

Es war eine Mischung aus Freude, Neugier und Respekt – massivem Respekt sogar, vor dem Verlassen meiner Komfortzone, und der Angst, nicht gleich gut an die bisherigen Erfolge anknüpfen zu können. Doch meine Neugier überwog, ja, sie beflügelte mich regelrecht. Bei Swisscard wurde ich vom ersten Tag an mit einer mir ungewohnten Offenheit empfangen, ohne Berührungsängste oder Vorurteile – das setzte neue Energien frei.

«Freude, Neugier und Respekt sind die wichtigsten Begleiter meiner Karriere.»

Marco Bazzani CIO, Swisscard AECS

Sie würden sich also als risikofreudig bezeichnen?

Ich versuche, die geschäftlichen Risiken so gut wie möglich einzuschätzen, und bin dann bereit, kontrollierte Risiken einzugehen, wenn es Vorteile bringt. Die Risiken müssen permanent evaluiert und wenn erforderlich rasch Korrekturmassnahmen eingeleitet werden. Mit diesem Ansatz bin ich bisher gut gefahren.

Und wie gehen Sie grosse Herausforderungen an?

Eine meiner Stärken ist, dass ich mich leidenschaftlich gerne mit komplexen Problemstellungen auseinandersetze. Besonders mit Sparringpartner:innen, mit denen ich zusammen die Entscheidungsfindung schärfe.

Irgendein besonders lehrreicher Misserfolg?

Mehr ein Learning: Misserfolg passiert nicht plötzlich, oft hat man ihn von Weitem kommen sehen. Meist ist man mit Korrekturmassnahmen zu beschäftigt, um genau hinzuschauen. Oder zu stolz, um ihn sich einzugestehen: lieber früh ansprechen und den Mut zu einem Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Wichtig ist, sich nicht in Schuldzuweisungen zu verstricken.

Wie motivieren Sie sich und Ihr Team nach Rückschlägen?

Wir besprechen einfach, was wir besonders gut gemacht haben. Damit meine ich nicht, einen Misserfolg schönzureden, sondern selbstbewusst zu sagen, das Ganze hatte auch eine gute Seite, die Profis wie uns weiterbringt.

Ihre Tipps für das Handling von externen Dienstleistern?

Alle sollen im Bewusstsein der Win-win-Situation agieren und proaktiv auf Bedürfnisse von Partnern eingehen. So oder so: Kommunikation ist das A und O. Ich erlebe das auch bei der Zusammenarbeit mit Airlock. Wir pflegen gemeinsam einen offenen und konstruktiven Austausch auf Augenhöhe.

Ihr persönliches Highlight in den vier Jahren bei Swisscard?

Es ist kein bestimmter Erfolg, sondern unsere äusserst kollaborative Unternehmenskultur, in der Mitarbeiter:innen ihre Expertise ideal entfalten können. Das führt zu Wertschätzung des Teamspirits und nährt den Innovationshunger. Dazu kommen kurze Entscheidungswege, die mir als CIO den Alltag ungemein erleichtern.

Ihr wichtigstes Führungsprinzip?

Engagement. Wenn man mit Freude und Energie vorangeht, fallen einem komplexe Aufgaben leichter. Mit einem Lächeln auf dem Gesicht rennt jeder die Extrameile schneller. Aus meiner Erfahrung triggert man dies mit Wertschätzung, Vertrauen und transparenter Kommunikation. Ein Leader muss zuhören, challengen und unterstützen.

Jemand, der Sie besonders inspiriert hat?

In Myanmar traf ich einen der höchsten Buddhisten, der mit seiner blossen Präsenz einen ganzen Raum ausgefüllt, ja quasi eingenommen hat. Ich fühlte diese Präsenz und dachte, es gibt also noch andere Arten von Leadership als diejenige in unserem Business und unserer Kultur. Mir wurde bewusst: Der Schlüssel liegt darin, mit Offenheit durchs Leben zu schreiten. Dieser Gedanke begleitet mich in all meinem Tun, heute wie in Zukunft.

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