Es begann als Hack

17.10.2019

Porträt Thomas Ward

 

Dieses Interview ist erschienen im Ergon Magazin SMART insights 2019. Das vollständige Magazin erhalten Sie hier.

Bankgeschäfte ohne E-Banking? Heutzutage unvorstellbar. Das erste E-Banking in der Schweiz entwickelte Ergon vor mehr als 20 Jahren. Als Pionier und treibende Kraft mit dabei war Thomas Ward, der sich seitdem im Bankenwesen spezialisierte und darin seine Leidenschaft gefunden hat.

Wie bist du zu Ergon gekommen?

Ich kannte die beiden Ergon-Mitarbeiter Michael Frass und Gabi Keller. Wir haben zusammen studiert. Aber genau genommen war der Grund Solaris, das Unix-Betriebssystem, auf dem man entwickeln konnte.

Nach dem Studium habe ich noch zwei Jahre in einer Consulting-Bude gearbeitet. Das war mir aber zu wenig hands-on, da wurde mehr geredet als gemacht. Ich rede zwar auch viel, aber mache auch gerne viel. (lacht)
Also kam ich 1995 als Nummer 13 zu Ergon.

Das Internet steckte damals noch in den Anfängen, nicht? Was waren deine ersten Projekte?

Java war damals ganz neu und ich habe Applets im Browser programmiert. Anfangs für Sales, damit sie den Kunden zeigen konnten, was möglich war. Für die Migros habe ich zum Beispiel eins gemacht: Da konnte man im Browser bei einem Bild eines Kleides die Farbe wählen und das Applet hat das dann automatisch berechnet. Klingt heute lächerlich, ich weiss. (lacht)

Du giltst heute als Mr. E-Banking. Wie kam es dazu?

Das erste Projekt zu diesem Thema war damals das E-Banking mit der Credit Suisse, das erste E-Banking in der Schweiz. Vorher gab es ja schon die Version mit Videotext. Für Nichttechniker waren das Einwahlprozedere und die Navigation auf den Seiten aber nicht ganz einfach. Also brachten wir das Ganze ins Internet. Vereinfacht gesagt, haben wir die Daten in Videotext ausgelesen und in den Browser gebracht, sozusagen gespiegelt. Der erste Prototyp damals war ein Riesenhack.

Und wie ging es dann weiter?

Wir haben natürlich weitere Versionen entwickelt, dann kam auch youtrade als erster Online Trader dazu und so weiter. Ich war sicher 15 Jahre für die CS tätig. Auch für die LLB habe ich gearbeitet. Für sie haben wir ebenfalls ein E-Banking gebaut, anschliessend habe ich die Basis für das Avaloq Online Banking erarbeitet. Ich bin auch viel beim Kunden vor Ort, bei Avaloq war ich zum Beispiel 6 Jahre, aktuell bin ich bei Finnova. Konkret heisst das: ein paar Tage dort und ein paar Tage bei Ergon.

Findest du das gut?

Ja, das bringt natürlich viel Abwechslung in den Job und ich finde es toll, so mehrere Firmen kennenzulernen. Ich weiss aber auch zu schätzen, was ich an Ergon habe. Es ist ein bisschen, wie wenn man in die Ferien geht: Wenn du denkst, die Schweiz ist langweilig, gehst du mal woanders hin und stellst dann fest, dass es hier eigentlich doch ganz schön ist. (lacht)

Die Faszination für den Bankensektor – hattest du die schon immer?

Das kam eigentlich alles erst on the job – ich hatte am Anfang keine Ahnung vom Bankenwesen. Aber man lernt natürlich ständig dazu. Es begann mit den Zahlungen, den verschiedenen Einzahlungsscheinen und Buchungen, dann kam das Trading-Geschäft dazu. Die Faszination kommt ja auch während der Arbeit. Beim Entwickeln der Trading-Software dachte ich dann, hey – ich will auch so ein Konto und mitmachen. Und über die Jahre entwickelt man sich dann fast automatisch zum Experten, zumindest, was die Domäne angeht.

Und technisch?

Da entwickelt sich natürlich ständig alles weiter. Aber das macht mir auch Spass, ich habe immer geschaut, dass ich bei den Projekten mit den neusten Sachen dabei bin, besonders auch bei neuen Technologien.

Und eigene neue Sachen bringst du auch gerne ein, wie man am Beispiel des ersten E-Banking sieht, oder?

Ja, das finde ich auch das Coole an Ergon, dass ich eben die Möglichkeit dazu habe. Wenn ich eine Idee habe, kann ich die vorbringen. Natürlich muss ich damit auch überzeugen, gratis gibt’s nichts. Bei uns kommt selten der Chef und sagt «Schau – hier habe ich ein Thema, beschäftige dich doch mal damit». Stattdessen kann ich hingehen und sagen «Ich habe das Gefühl, das ist die Technologie der Zukunft und man könnte was damit machen». Wenn der Business Case stimmt, kann ich auch die GL damit überzeugen.

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